Fakt und Fiktion – Über grausame Tierverstümmelungen und den Chupacabra

Wer sich einmal intensiver mit Aliens oder Fabelwesen auseinandergesetzt hat, wird sicherlich schon über „El Chupacabra“ gestolpert sein. Die sehr interessante US-Dokumentation „Dokupedia: Der Chupacabra – Das Fabelwesen Südamerikas“ aus dem Jahr 2005 hat dazu eine Reihe von Fakten hervorgebracht, die ich in keiner Diskussion bisher gesehen habe (wenngleich sich mein Interesse für solche Themen seit vielen Jahren teilweise gelegt hat). Die Doku stellt Fakten und Argumente sowohl von Skeptikern als auch Kritikern gegenüber.

Der Chupacabra (auch „El Vampira Moca“, „Goat-Sucker“ oder „Ziegenmelker“) wurde erstmals um das Jahr 1995 in Puerto Rico gesichtet und seitdem häuften sich Berichte über Angriffe und Verstümmelungen von Tieren sogar in anderen lateinamerikanischen Ländern. Beschrieben wurde der Chupacabra meist als reptilien-, känguru- oder fledermausartiges Wesen mit scharfen Fangzähnen, rot-glühenden Augen und Flügeln. Spekulationen über die Herkunft des Chupacabras reichen von abgestürzten Aliens bis zur Flucht eines Gen-Experimentes aus einem geheimen Forschungslabor. Nicht verwunderlich, so markiert Puerto Rico den südöstlichen Eckpunkt des sagenumwobenen Bermuda-Dreiecks.

In Puerto Rico gibt es seit Jahrzehnten Erzählungen über ein geheimnisvolles vampirartiges Wesen. Solche Geschichten sind vergleichbar mit denen von Vampiren, die insbesondere im 18. Jh. in Ost-Europa auftraten, als viele noch unbekannte Krankheiten existierten. Tuberkulose passt dabei mit den Symptomen „wie rote, geschwollene Augen (die schafft auch eine Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht), blasse Haut, extrem niedrige Körpertemperatur, ein schwaches Herz und Blut zu husten, was auf die Idee, dass der einzige Weg für die Betroffenen zu ergänzen dieser Blutverlust wurde durch Blut saugen„. Für einige Kritiker war die Ausbreitung des Chupacabras auf andere lateinamerikanische Länder ein Indiz, dass es sich um ein kulturelles und nicht um ein paranormales Phänomen handelte. Auch die Ausweitung auf Miami, Florida widerspricht dieser These nicht, da dort etwa 70% aller Einwohner Hispanics oder Latinos sind und 2/3 aller Personen angeben, dass ihre Muttersprache spanisch ist. Gleiche Phänomene werden in unterschiedlichen Kulturräumen demnach auch mit unterschiedlichen Erklärungsansätzen begründet.

Die Berichte der Tierverstümmelungen durch einen Chupacabra klingen häufig gleich. Das Tier wurde getötet, aber nicht aufgefressen und Spuren von einem Kampf seien nicht vorzufinden. Gleichzeitig konnten allerdings chirurgisch-präzise Schnitte ebenso festgestellt werden, wie das Fehlen von Blut im Körper des Tieres. Bezeichnend ist, dass mit dem Aufkommen des Chupacabras, jeglicher augenscheinlich unerklärte Tiertod mit ihm in Verbindung gebracht wurde  und eine Hysterie unter den Einwohnern erzeugte. Anstatt bspw. nach einer seltenen Krankheit zu suchen, wurde alle Aufmerksamkeit auf das von allen Medien gehypete Wesen gerichtet.

Mysteriöse Tierverstümmelungen (Bilder) waren aber bereits in den USA seit den 1970er bekannt, wobei von „gehäuteten Köpfen“, „Entfernung von Augen, Ohren und Eutern“, Fehlen von Blut und Organen etc. berichtet wurde. Satanisten und Experimente von Außerirdischen mussten und müssen heute noch als Erklärung herhalten, wenngleich ersteres auch durch intensive FBI-Untersuchungen nie nachgewiesen werden konnte. Betroffene Farmer sahen allerdings Ähnlichkeiten ihrer Fälle zu den Angriffen des Chupacabras. Regierungsuntersuchungen gegenüber blieben sie allerdings skeptisch, da sie der Meinungen waren, die Regierung würde den Tod der Tiere als natürlich darstellten, um irgendetwas geheim zu halten. Ein „Experte“ für Tierverstümmelungen in der Doku glaubt sogar, dass die Erde rund um den Kadaver radioaktiv verseucht sei.

Die Dokumentation zeigt, wie selbst eine Psychologin und Lehrerin in Puerto Rico nach dem Tod einiger ihrer Haustiere, auf einem Feldweg eine Begegnung mit einem Chupacabra hatte, den sie vorerst für eine Eule hielt. Doch dann glaubte sie, dass das Wesen mit ihr kommunizieren wollte, allerdings verschwand es kurz darauf. Im Jahr 2000 wurde von einem Viehzüchter in Nicaragua berichtet, er hätte vier merkwürdige Wesen in seiner Tränke baden sehen, welche die Flucht ergriffen. Er bewachte fortan sein Anwesen und schoss mit seiner Flinte auf eines der Wesen, als es sich eines Abends dem Hof nährte. Das flüchtende Tier wurde von ihm Tage später tot aufgefunden, wenngleich der Kadaver bereits von Aasfressern „verunstaltet“ wurde. Zur Klärung dieses Falles, wurde der vermeintliche Chupacabra in die Universität von Léon gebracht.

Zu den Fakten:

Der zuständige Tierarzt des Landwirtschaftsministerium konnte nach etwa 300 Autopsien die beschriebene Blutleere nicht bestätigen und verweist auf Knochenbrüche, die durch Kämpfe entstanden sind. Doch von den Betroffenen und der Presse interessierte sich keiner mehr für seine Untersuchungsergebnisse, die natürliche Erklärungsansätze beinhalteten. Er vermutete Hunde oder Rhesusaffen, die die schlimmen Wunden an vielen Tieren herbeigeführt haben. Die Echtheit von Chupacabra-Pfotenabdrücke aus Florida und Chile konnten von einem Experten für Tierspuren (Biologe) nicht bestätigt werden, da u.a. Fingerabdrücke am Modell gefunden wurden.

Die zweitägige Autopsie des Chupacabra-Kadavers aus dem Jahr 2000 an der Universität in Nicaragua ergab, dass es sich um einen canis familiaris handele, also einem gewöhnlichen Haushund. Der Shitstorm ließ nicht lang auf sich warten. Schon während der Presseerklärung entgegneten ihnen die Bewohner „mit purer Feindseligkeit“ und buhten sie aus, weil niemand hören wollte, dass der angebliche Chupacabra-Kadaver gar kein Chupacabra war. Die Presse berichtete später sogar davon, dass der Farmer behauptete, dies sei nicht der Kadaver gewesen, den er dort abgeliefert hätte – nicht ganz unerklärlich, nach einer zweitägigen Obduktion des ganzen Tieres.

Nochmal zurück in die USA. Den tierischen Opfern fehlten Zunge, Augen und Geschlechtsorgane, aber es fand sich auch abgezogene Haut. Ein Sheriff aus Arkansas machte dazu ein sehr interessantes Experiment, um dem (kriminologischen) Rätsel der Tierverstümmelungen auf den Grund zu gehen. Dazu wurde ein Kadaver über mehrere Tage auf freiem Feld beim Verwesungsprozess beobachtet, ohne Aasfresser abzuschrecken. Die Ergebnisse brachten Licht ins Dunkle. Zu erst konnte ein Aufblähen des Kadavers durch die erhöhte Gasentwicklung durch Sonneneinstrahlung beobachtet werden, was zum Aufplatzen der Haut führte. Schmeißfliegen machten sich an den frisch hervorgequollenen Organen zu schaffen und legten ihre Eier zusätzlich in weiche und offene Stellen wie Augen, Ohren, Geschlechtsorgane etc. Die daraus schlüpfenden Maden trennten das verrottete Fleisch ab und zersetzen das Gewebe durch ihren Speichel. Nach 48 Stunden zeigten sich die gleichen Male wie bei den anderen gemeldeten Tieren und das Blut war bereits von den Insekten zersetzt worden. Diese Ergebnisse von 1979 bestätigte auch eine unabhängige Tierärztin als noch immer gültig und ergänzte, dass Bussarde häufig Augen und Hunde und Kojoten häufig die Genitalien entfernen.

Letztendlich ist es eine self-fullfilling prophecy. Als die Medien massiv über den Chupacabra berichteten bzw. über Aliens & Co. spekulierten, zählte nicht mehr, was wirklich die Ursache war, sondern das Nicht-Beweisbare. Schließlich ist die Nicht-Existenz eines Wesen schwerer zu beweisen als die Existenz eines Wesens. Indem die Menschen nun einen Sündenbock haben, müssen sie selbst keine Verantwortung mehr übernehmen oder könnten im schlimmsten Fall sogar bewusst z.B. Versicherungsbetrug begehen. Kritiker warnen davor, nicht nach den eigentlichen Ursachen wie Infektionen oder Erkrankungen zu suchen und in jedem toten Tier das Opfer eines Chupacabras zu sehen.

Nicht zuletzt ist das Mysterium um den Chupacabra zum einen eine gefundene Einnahmequelle durch Touristen (siehe Loch Ness Tourismus) bzw. unerschrockene Abenteurer und zum anderen eine gute Story für die Lokalpresse bzw. eine gute Plattform für Bewohner, die gern Aufmerksamkeit erhaschen wollen.

Die Dokumentation endet mit einer letzten Frage: „Warum sollte eine außerirdische Spezies, die intelligent und mächtig genug ist Millionen von Kilometern zu bewältigen, letztlich hier etwas so sinnloses tun, wie Rinder zu verstümmeln?“

Die Doku wurde von der Scene unter folgendem Release-Namen veröffentlicht: DOKUPEDIA.Der.Chupacabra.Das.Fabelwesen.Suedamerikas.GERMAN.DOKU.WS.dTV.XviD-D4U

2 Gedanken zu „Fakt und Fiktion – Über grausame Tierverstümmelungen und den Chupacabra

  1. Hallo Herr Schurig

    auch wenn der Post schon etwas älter ist, BRAVO! Endlich einer der ohne Aliens und Co. auskommt. Das freut mich!

    Aber eine Frage habe ich dennoch an Sie, könnten Sie mir noch ein paar Quellen zu dem Experiment des Sheriffs und der Tierärztin liefern?

    Grüße aus Merseburg nach Halle 😀

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