Beitrag zur Diskussion über Klarnamen und Anonymität im Internet

Nicht selten hört man in letzter Zeit den Ruf der etablierten Politik nach weniger Anonymität im Internet, da dieses zudem nicht selten als „rechtsfreier Raum“ [sic!] bezeichnet wird. Immer rigider fordern auch Soziale Netzwerke wie Facebook und Google+ die Abschaffung der Anonymität bzw. von Pseudonymen.

In diesem Zusammenhang wird häufig über Klarnamen diskutiert und dass deren Anwendung all diese Probleme lösen soll. Doch die Forderung nach Klarnamen ist eine ebenso zweischneidige. So wie sich einige User durch besonders extravagante oder rare Namen eine gewisse (temporäre) Einzigartigkeit erreichen können, gibt es wiederum User, die mit ihrem Nick in einer grauen Masse gleichnamiger User untergehen.

Warum ist die Forderung nach Klarnamen nun problematisch? Namen kann man sich im Leben nur in wenigen Situationen aussuchen bzw. ändern. In Deutschland sind die weitverbreitetsten Familiennamen Müller, Schmidts, Schneider etc., in Italien Rossi, Ferraris oder Espositos, in Korea die Lees und Kims oder in Gambia die Gaye, Jobes und Sonkos. Auch unter den Vornamen gibt es von Top 5 bis nahezu einzigartig eine riesige Spanne. Aus dieser Tatsache heraus ergibt sich nun, dass Klarnamen im Internet eben genau in dieser Anonymität verschwinden können. Soziale Netzwerke sind ein gutes Beispiel, wenn dort unter dem eigenen Namen „150 Ergebnisse“ steht. Andere wiederum, die sehr exotische Namen haben, sind sehr viel einfacher zu identifizieren und im Internet aufzuspüren.

Hiermit entsteht eine höchst problematische Situation, in der einige Menschen von einer „natürlichen“ Anonymität durch hohe Redundanz (Wiederholungen) der Namen profitieren können (oder gar ihre gewünschte Einzigartigkeit wie z.B. durch einen Nicknamen verlieren).

Ein „Sebastian Müller“ ergibt bei einer Google-Suche bspw. fast 300.000 Ergebnisse und macht eine Suche nach einer Person mit diesem Namen somit nahezu unmöglich. Sucht man nun bspw. eine „Edeltraud Jamin“ (Name frei erdacht!) ergibt sich auf Google ein Ergebnis von 3 (Stand: 01.08.2011). Es scheint sich um die einzige Person zu handeln, die im Internet unter diesem Namen auffindbar ist. Ähnlich verhält es sich für Namensvetter oder -basen von Prominenten unter derer Namen man eine gute Anonymität erreichen kann (z.B. „Michael Jackson“).

Nun ist es in diesem Kontext nicht verständlich, wieso Klarnamen a) Anonymität verhindern bzw. verringern sollten und b) eine Identifizierung von Menschen mit exotischen Namen dadurch gefördert wird. Muss sich damit eine Edeltraud Jamin Sorgen machen über jeden Kommentar, den sie im Internet hinterlässt, während ein Sebastian Müller in der Masse seiner Namensvettern untergeht und sich nicht um seine freie Meinungsäußerung bzw. deren Zuordnung zu einer realen Person sorgen muss?

Update: Lesenswerter Artikel bei Metronaut – „Gute Gründe für Pseudonyme“(Übersetzung des Originals „A Case for Pseudonyms“ von Jillan York).

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